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Hope2 | EmscherWasser

Hope2

4. Nasenbluten

Herbert Jackson fuhr nicht gern mit der Untergrundbahn, jedoch hatte er nie einen Führerschein gemacht. Die Hektik des Straßenverkehrs setzte ihm zu sehr zu. So waren ihm die schmutzigen Abteile der Hope2 Untergrundbahn doch noch lieber. Der Geruch nach Kirschen durchströmte die Bahn. Früher war es ein angenehmer und dezenter Duft, doch in den letzten Jahren hat das H2UB-Werk ein Mittel gegen den immer stärker werdenden Geruch von Urin und manchmal sogar Schlimmerem unternehmen müssen. Jackson ärgerte es, daß keine Kameras in den Bahnen eingerichtet werden konnten, ohne daß diese alle paar Tage erneuert hätten werden müssen. Also hatte die H2UB gegen den Willen der Regierung durchgesetzt, ihre Züge nicht mit Kameras ausstatten zu lassen, sehr wohl aber die Bahnsteige. Allein dieser Tatsache war es zu verdanken, daß viele Verbrechen, die in den Bahnen verübt wurden, nicht aufgeklärt werden konnten.
Jackson stieg bei der Haltestelle Neuplatz, an der Gobel getötet worden war, aus. Es herrschte rege Betriebsamkeit. Er bemerkte trotzdem einige zumeist gedungene Gestalten, die sich in dunklen Ecken verbargen.
Die Putzfrau wirkte irgendwie geschockt, nachdem dieser untersetzte Mann sie dermaßen ausgemeckert hatte, daß es immer noch in ihren Ohren dröhnte. Sie solle nach Hause gehen und in zwei Wochen wiederkommen. Der junge Mann, der ihn begleitete, so fiel es der Putzfrau auf, wirkte genauso verblüfft. Sie schaltete den Wischer aus und fragte den Mann, ob das jetzt ernst gemeint sei. Jackson ließ seine Autorität walten, zeigte der Putzfrau seinen Ausweis und sagte ihr, dieser Bahnsteig solle die nächsten Tage nicht geputzt werden.
„Wann wurde hier das letzte mal gewischt?“
„Ich mache die Pläne nicht, da müssen Sie schon das Ordnungsamt fragen. Ich glaube aber, das ist schon über eine Woche her.“
„Gut, daß wir nicht so reinlich sind“, sagte Jackson mit einem Grinsen und wendete sich von der Unterhaltung ab. Er versuchte, sich an das Video zu erinnern, schaute sich um. Er brauchte einen Anhaltspunkt, wo es sich zu suchen lohnte.
Nachdem er nach einer Viertelstunde in dem Gedränge nichts gefunden hatte, führte er ein kurzes Telefonat. Er wies den Assistenten, der ihn begleitete, an, zu warten.
Wenig später kamen etwa zwei Dutzend Soldaten die Treppen zum Bahnsteig herab geeilt. Jackson eilte ihnen entgegen, brachte dem Anführer seine Befehle dar und ging zum Assistenten zurück.
„Wir bleiben besser zusammen, sonst werden Sie auch noch hier vertrieben“, sagte er zum Assistenten, ohne ihn dabei auch nur einmal anzusehen. Arroganter Sack, wofür habe ich eigentlich studiert, fragte dieser sich.
Der Truppführer sagte durch die Lautsprecher, alle Fahrgäste sollten sich in den nächsten zwei Minuten entfernen, ansonsten werde er das tun. Das war nicht so böse gemeint, wie er es sagte, es war aber eine vorzügliche Methode, die er immer benutzte.
Auf freies Feld wartend dachte Jackson darüber nach, wie wohl die Obduktion ausfallen würde. Auf den Aufnahmen erkannte er einen kurzen, ansatzlosen Schlag, den der Täter ausgeführt hatte. Gobel war daraufhin zu Boden gesackt. Jackson war immer noch am zweifeln, ob dieser Schlag nun tatsächlich die Todesursache war oder nicht. Er hatte zwar, abgesehen von seinen immer seltener werdenden Boxstunden, keinerlei Erfahrung, was Kampftechniken anging, bei denen man mit einem einzigen Schlag den Tod seines Gegners hervorrufen konnte. Aber soviel wußte er, daß ein so gezielter Schlag von einem Penner nicht ausgeführt werden konnte. Somit war es für Jackson sehr interessant herauszufinden, wer der Täter war – rein persönlich gesehen. Jackson dachte noch daran, daß er wohl auch ziemlich sauer gewesen wäre, wenn ein Ordnungshüter ihn bluttriefend festnehmen wollte, nur weil man halt blutete.
Auf der Treppe fand Jackson kein Blut. Er hieß einige Soldaten, ihm suchen zu helfen. Der Assistent sollte die Arbeit der übrigen Soldaten koordinieren, denn nur er hatte außer ihm selbst das aufgezeichnete Video gesehen. Auf der Treppe konnten sie nichts finden. Jackson hatte die Stelle lokalisiert gehabt, an der Gobel und der Täter standen, doch auch dort war der Fußboden nur von Dreck bedeckt. Er rief seinen Assistenten und ließ diesen einige Proben vom Dreck nehmen. Vielleicht waren ja minimale Reste von Blut im Dreck enthalten. Aber selbst dann konnte man sich nicht sicher sein, von wem das Blut stammte, es sei denn, die enthaltene DNS hätte Ähnlichkeit mit derjenigen aus der Zelle vom Stick.
Unten auf dem Bahnsteig sah es besser aus, der Boden war hier nicht ganz so dreckig wie auf der Treppe. Jackson hoffte, der Täter hätte einen halbwegs geraden Weg genommen, denn nur dann konnte er das zu suchende Feld etwas eingrenzen. Er ging zum imaginären Zug, suchte dabei den Boden ab. Aber absolut nichts konnte er finden. Er ging in gehockter Haltung noch einmal zurück, sah diesmal noch genauer hin. Es mußte sehr lustig aussehen, wie er da so über den Boden huschte, doch das war ihm egal. Er fand nichts interessantes, war mittlerweile schon etwas enttäuscht. Plötzlich hielt er inne. Sein Knie steckte in einem Kaugummi. Sein Gesicht nahm einen seltsamen Ausdruck an. Er stand auf, sah sich sein Knie an, das aber sauber war. Er bückte sich, sah sich das Kaugummi an. Er grinste, rief den Assistenten und zeigte ihm, was er gefunden hatte. Der Assistent holte einen Spachtel aus einer der vielen Taschen seines weißen Umhangs, entfernte den Kaugummi vom Boden und verpackte ihn in Folie. Er ließ die Soldaten unter der Führung des Assistenten noch weitersuchen, er selbst aber stürmte mit der Probe die Treppen hoch, so schnell, daß er einmal stolperte. Er mußte Bissent noch erreichen, bevor er Feierabend hatte.
Er rannte und rannte durch die enge Röhre, sah die Hand kaum vor Augen. Er hatte sich beeilen müssen, aber anscheinend hatte alles funktioniert. Und sollte doch irgendwo eine Kamera gewesen sein, die er übersehen hatte, so versuchte er das jetzt dadurch auszugleichen, daß er wie ein Berserker durch die dunklen Gänge rannte, alle paar Schritte stolperte, sich meist wieder fing und weiter rannte. Drei, vier mal war er schon gefallen, hatte sein Gesicht aber bisher glücklicherweise aus dem Abwasser heraushalten können. Es stank erbärmlich hier. Anfangs hatte Ash wirklich mit sich ringen müssen, nicht ohnmächtig zu werden oder bei nächster Gelegenheit die Kanalisation zu verlassen. Die Eisenstange hatte er gerade erst weggeschmissen, da sie ihn hier zu sehr behinderte, auch wenn er sie eigentlich weiter weg loswerden wollte, damit sie nicht so schnell gefunden werden konnte, sollte man seine Flucht durch den Gulli entdeckt haben. Er war es einfach langsam leid, verfolgt zu werden. Darum beeilte er sich jetzt auch so, obwohl eine Verfolgung unwahrscheinlich war und obwohl er den Gestank kaum aushielt.
Eine halbe Stunde später war er in einer Sackgasse angelangt, von der aus nur ein Gang nach oben weiterführte. Da er schon ein wenig benommen war von den stinkenden Gasen, entschloß er sich, die Kanalisation hier zu verlassen. Er mußte einen beachtlichen Weg hinter sich gelassen haben. Hoffentlich genug. Aber sie konnten ja nicht die ganze Stadt gleichzeitig überwachen.

Eine Gasthaushintertür wurde aufgestoßen und ein kleiner Mann Ende vierzig mit tiefen Rändern unter den Augen und einer von Essensresten übersäten, einstmals weissen Schürze, ging den altbekannten Weg zur Grube und goß den Inhalt eines großen Bottichs hinein.
„Küchenabfälle stinken am meisten“, erklang eine ihm bekannte Stimme. Die Person, die sich in einer Ecke des Hinterhofes versteckt gehalten hatte, trat nun ins Freie. Der untersetzte Mann mit dem Bottich erschrak so, daß der Behälter beinahe in die Grube gefallen wäre.
„Mein Gott, Ash, hast du mich vielleicht erschreckt. Verbirgst dich hier wie ein elender Dieb. Was machst du hier und wie siehst du überhaupt aus?“ Der Mann blickte zum Ausgang der kleinen Gasse, doch von dort blickte kein Gesicht in ihre Richtung. „Komm rein, hier haben auch die Ratten gute Ohren und manchmal plappern sie Gehörtes weiter.“
Ashs Glieder schmerzten, seine Hände zitterten jedoch nicht nur wegen der niedrigen Temperatur, die noch im Laufe der Nacht bis auf den Nullpunkt gesunken war. Ash schleppte sich in Richtung Eingang.
„Mein Gott Ash, und du beschwerst dich über den Geruch. Du stinkst, als ob du dem MOD in die Hände gefallen wärst.“
„Beinahe. Aber dazu später. Ich brauche neue Sachen und ein Bad.“
„Das brauchst du tatsächlich. Und du wirst sie auch kriegen.“
„Wie wäre es mit einem Bier oder noch besser mit etwas Härterem?“
„Schon früh am Morgen? Dir scheint es ja echt schlecht zu gehen.“
„Quatsch nicht rum, besorg mir Kleidung und sag Bescheid, daß Joany, oder wer auch immer, mir ein Bad einläßt.“
„Okay, okay. – ich geh ja schon. Aber Joany ist schon seit vier Jahren nicht mehr hier. Irgend so eine Sau hat sie aufgeschlitzt.“
Ash stand in der Küche des Restaurants, welches er schon seit langer Zeit nicht mehr gesehen hatte. Er dachte an Janin und wie sie wohl die Jahre überstanden hatte. Es sah alles noch so aus wie damals, dachte er bei sich und ging zum Getränkelager. Bierfässer standen da. Kunststoff-Fässer. Natürlich nicht aus Metall oder Holz, solche hatte Ash selbst schon seit Ewigkeiten nicht mehr gesehen. Er hatte einst einmal einen gute Rotwein aus einem Holzfass getrunken, dass schien ihm schon ein ganzen Leben her zu sein. Oder zwei.

Ein Surren erfüllte den Raum mit einem stetigen Geräusch. Ash öffnete die Klappe einer der drei Kuhlschränke und nahm sich eine Flasche Wodka heraus. Die Aufschrift Sternwasser war zu lesen. Er öffnete sie und trank hastig einen tiefen Schluck.

Derweil brach andernorts in dem Gebäude Hektik aus. Ein Gast war gekommen, und was für einer. Viele Jahre hatte sie ihn nicht mehr gesehen, und es lief Janin kalt den Rücken hinunter, ihren Ash wieder in die Arme zu schließen. Wie er sich wohl verändert hatte, dachte sie. Der Kommentar von Sarun war recht merkwürdig und paßte so gar nicht zu dem gutaussehenden Mann, den sie in ihrer Erinnerung bewahrt hatte.

Ash öffnete die Tür zur Theke, ging an dieser vorbei und blickte in den Spiegel. Er fuhr ein wenig zusammen, doch hätte ein Aussenstehender es nicht bemerkt. Er sah heruntergekommen aus. Er nahm einen kräftigen Zug und stellte die Flasche auf die Theke und blickte sich in dem Restaurant ‚Janins Stern‘ um.
„He Sarun, wo bleibt mein Bad?“ Viele Tische säumten den Pfad zur Treppe, die sich, nach oben hin ausbreitend, aus dunklem, fast schwarzem Holz, als ein wunderschöner Augenfang darbot. Ash erinnerte sich, wie sie den Handwerkern zugeschaut hatten und wie teuer sie gewesen war. Er schmunzelte und ließ den Blick über die Bilder an der Wand schweifen. Fotografien und gemalte Bilder hingen dort, geschickt komponiert. Ash verlor sich gerade in einer alten Fotografie, als eine alte Frau an der Treppe stand und ihn offenkundig musterte. Sie war an die sechzig und man sah deutlich, daß sie einmal eine schöne Frau gewesen war.

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